Mit der umstrittenen Handbuchrevision von DG für die Schneider-Flugzeuge wurde die TM 4047, die ursprünglich nur für die LS-4b gegolten hatte, auch auf die anderen Flugzeuge der LS-4-Baureihe ausgedehnt. Durch Verkleinern und Verschieben der Wassersäcke in den Flügeln können die Zuladungsgrenzen im Führersitz bei der LS4 und die Masse der nichttragenden Teile der Baureihen LS4 und LS4-a bei Bedarf auf 250kg erhöht werden. Einen Bedarf für die Erhöhung der Zuladnungsgrenzen im Führersitz (und damit ein Ausnutzen der möglichen 110kg) hat man eigentlich immer, außerdem ergab eine Dichtheitskontrolle unserer lange Zeit unbenützen Wassersäcke ein Leck am inneren Teil eines Sacks, so dass wir uns an die Ausführung der TM machten. 
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 Die Wassersäcke der LS4a - zumindest in der bei uns verwendete Ausführung - sind etwa in der Mitte durch eine Einschnürung geteilt, so dass das Wasser bei einer Teilbeladung nicht durch die gesamte Spannweite gluckern kann. Nachdem wir ganz an der Inneseite eines Wassersacks an der Wurzelrippe ein irreparables Leck an einer Nahtstelle feststellten, haben wir kurzerhand beide Wassersäcke an der Einschnürung auseinandergeschnitten und nur die äußeren Teile weiter verwendet. Gleichzeitig wurde das PVC-Rohr, das durch den inneren Teil verlief und für die Füllung und Entleerung des äußeren Teils zuständig war, so gekürzt, dass der verbleibende Wassersack um genau die in der TM geforderten 75cm Richtung Flügelspitze verlagert wird. Die Befüllungslöcher im PVC-Rohr für den inneren Wassersack wurden mit passenden Rohrhälften zugeklebt.
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Im obigen Bild sind der verbliebende Wassersack und das gekürzte Zuleitungsrohr in der ungefähren Montageposition auf den Flügel gelegt. So weit war die Arbeit recht einfach, doch nun begannen die Probleme!

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Sack und Rohr gegeneinander abzudichten, gelang erst auf den zweiten Anlauf unter dem Einsatz von Dichtmasse und der Verwendung von drei anstatt der eigentlich vorgesehenen zwei Schlauchschellen. Dummerweise machte sich das Leck - trotz vorausgegangener Dichtheitskontrolle - erst nach dem Einbau im Flügel bemerkbar. Zudem sollte es nicht die einzige Undichtigkeit bleiben ...
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Der Einbau des Wassersacks in den Flügel ist eine enge und knifflige Angelegenheit, wahrscheinlich haben wir dabei die Abdichtung zwischen Sack und Rohr beschädigt. Jedenfalls musste dann erst mal wieder alles raus und die Abdichtung gegen das Rohr erneuert und mit einer dritten Schlauchschelle befestigt werden.
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Vor dem Anschluss im Flügel war jedoch noch ein ganz anderes Problem zu lösen: 
Detail Anschluss

Der links blau angemalte Teil ist fest im Flügel in der Nähe der Wurzel eingebaut und führt zum Wasserablass. In ihm sitzt die violett colorierte Kugel als Ventil, sie wird von dem von links kommenden Stößel aufgedrückt. Dieser Stößel ist durch eine Feder gespannt, so dass die Kugel immer schön in ihren Sitz gezogen wird und außerdem mitsamt dem in die Kugel eingelassenen und nach rechts weisenden (violetten) Rohrstückchen schön mittig im Rohr sitzt.

Der grün angedeutete Teil ist mit dem Wassersack verbunden und soll beim Einbau durch eine Überwurfmutter mit dem blauen Teil verbunden werden. So weit ist alles klar. ALLERDINGS ist im Wassersack-Teil noch der rot gekennzeichnete Stößel drin, der das Kugelventil für den äußeren Wassersack betätigen soll. Dazu muss beim Zusammenbau der rote Stößel in das violett markierte Rohrstückchen eingeführt werden! Da der rote Stößel aber keine weitere Führung hat, liegt er schwerkraftbedingt "unten" im Anschlussstück, während das Aufnahmerohr schön mittig sitzt. Zudem ist der Stößel einige Zentimeter im Rohr "zurückgezogen", beim Zusammenbau also überhaupt nicht zu fassen. Der ganze Einbau durch das enge Loch in der Wurzelrippe ist eh eine Fummelei und wir sahen keine Möglichkeit, den Stößel irgendwie mittig zu halten, damit der Zusammenbau gelingen kann. Trotz der riesigen Anzahl an gebauten und sicher auch noch fliegenden LS-4en konnte uns niemand einen Trick sagen und auch bei DG war man ratlos.

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In ersten Überlegungen haben wir mit dem Gedanken gespielt, aus Wasser einen passenden Eisring gefrieren zu lassen, der den Stößel mittig fixiert. Dann gab es Ideen, diese Fixierung mit Salz- oder Zuckerbrocken zu versuchen. Schließlich bin ich auf die Idee gekommen, Blattgelatine zu verwenden. Diese ist im trockenen Zustand starr genug, um den Stößel verlässlich zu fixieren. Unter Wasserkontakt fällt sie sofort zusammen und wird beim Entleeren wieder ausgespült.
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Wir haben eine Scheibe mit etwa 3cm Durchmesser ausgeschnitten und in die Mitte ein Loch gestanzt. Diese Gelatinescheibe wurde dann so durch die Rohröffnung bugsiert, dass sie den Stößel in der Mitte fixierte.
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Jetzt konnte dieses Rohrteil in die fest im Flügel befindliche Aufnahme geführt und mit der Überwurfmutter verschraubt werden. Das Hantieren durch das enge Handloch in der Flügelwurzel ist mühselig, außerdem stößt man seinen Unterarm an der aus der Öffnung ragenden Stange für die Ventilbetätigung auf. Mit meinen großen Händen konnte ich gar nicht durch die Öffnung fassen, so dass diese Arbeit Daniel vorbehalten blieb. Das nach LS-Vorgaben angefertigte Werkzeug erleichterte die Arbeit zwar ein wenig, aber ohne manuelle Eingriffe ging es trotzdem nicht! Leider war es mit einem Aus- und Einbau pro Seite nicht getan: Die rechte Seite haben wir insegsamt sechsmal und die linke Seite zweimal aus- und eingebaut bis endlich alles dicht war und zu unserer Zufriedenheit funktionierte. Daniel wurde von Mal zu Mal schneller und falls jemand einen Spezialisten für den Wassersackeinbau bei der LS4 sucht ... ;-)
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Mit dieser Maßnahme erhöht sich das Gewicht der nichttragenden Teile von 230kg auf 250kg, damit können wir wieder die volle Zuladung im Führersitz von 110kg legal ausnützen. Erkauft wird dies durch eine Reduktion der zuladbaren Wassermenge. Laut TM wird der maximale Wasserballest auf 112 Liter beschränkt. Da wir nur noch die Außensäcke verwenden, bleiben uns lediglich etwa 2x 45 Liter. Dies ist aber immer noch mehr, als - aufgrund des Lecks - gar kein Wasser mitnehmen zu können.

 

 

 

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